‚… bin nicht gefahren‘

nicht gefahren

Von allen Verteidigungsstrategien ist dies die zweitbeste: die Polizei glauben zu lassen, dass nicht Sie selbst der Fahrzeugführer waren.

Warum auch sollten Sie dies der Polizei freiwillig offenbaren? Dies wäre das wohl Schlechteste, was Sie sich antun können.

Es gibt auch keinen vernünftigen Grund, der dafür spricht, dies zu tun. Denken Sie vielleicht, dass es Ihnen nützt, sich kooperativ zu verhalten? Nein, am Ende wird Sie der Richter genauso behandeln wie jeden anderen Angeklagten, der schweigt oder lügt. Oder denken Sie, dass Sie verpflichtet wären, dies der Polizei mitzuteilen? Nein, sind Sie nicht.

Niemals ist man verpflichtet, irgendeine Frage der Polizei zu beantworten. Oder denken Sie, dass es sowieso egal ist, weil Sie bei Ihrer Versicherung als einziger Fahrer registriert snd? Nein. Wer bei Ihrer Versicherung als Fahrer eingetragen ist, sagt nichts darüber aus, wer bei dem Unfall Ihr Fahrzeug geführt hat.

Natürlich gibt es Fälle, in denen klar ist, dass Sie gefahren sind. Wenn Sie beispielsweise von Ihrem Nachbarn angezeigt worden sind, der Sie gut kennt und den Unfall beim Rauchen auf dem Balkon beobachtet hat, wird die Polizei davon ausgehen, dass Sie gefahren sind. Aber trauen Sie sich zu, einschätzen zu können, ob es sich in Ihrem Fall tatsächlich um einen solchen klaren Fall handelt?

Vielleicht hat ja der Nachbar nur Ihr Fahrzeug gesehen und einfach bloß unterstellt, dass Sie darin gesessen haben müssen, weil er sie die letzten 20 Jahre immer nur alleine mit diesem Auto hatte fahren sehen. Vielleicht ist Ihr Nachbar ja auch schon alt oder wird sehr bald an Lungenkrebs sterben, bevor er von einem Richter befragt werden kann.

Ob es wirklich sinnvoll ist, zuzugeben, der Fahrzeugführer gewesen zu sein, können Sie selbst erst nach Einsicht in die Ermittlungsakte beurteilen. Noch viel besser kann dies Ihr Rechtsanwalt nach Einsicht in die Ermittlungsakte beurteilen. Und bis zu diesem Moment gibt es keinen Grund, zuzugeben, der Fahrzeugführer gewesen zu sein.

Aber keine Regel ohne Ausnahme: Bei einem Unfall – erstens – beim Ein- oder Ausparken gibt es die Chance, sich vor Strafe zu bewahren, wenn der verursachte Schaden – zweitens – geringer ist als etwa 1.300 € und man sich – drittens – innerhalb der ersten 24 Stunden freiwillig der Polizei stellt. Alle 3 Bedingungen müssen erfüllt sein. Näheres hierzu unter „24-h-Regel“ auf diesen Seiten.